Münchner G´schichten: „Vom Randsport zum Spitzensport“

Working Equitation Weltmeisterschaft 2018 10.-13. Mai in München-Riem.

Münchner G´schichten:
„Vom Randsport zum Spitzensport“

Im Rahmen von Süddeutschlands größtem Pferdefestival fand auf der Pferd International die diesjährige Working Equitation Weltmeisterschaft statt.

Die Hauptakteure aus Spring- und Dressursport wurden begleitet von vielen Ständen mit Einkaufsmöglichkeiten rund um Pferd und Reiter.
Es gab auch gute Fachvorträge vom Expertenforum Equimondi.
Man sah Voltigierprüfungen und im großen Stadion der Olympia Reitanlage ein insgesamt abwechslungsreiches und schönes Schauprogramm aus dem Reit- und Fahrsport.
Den “bayerischen Römer” Klaus Luber mit seiner Quadriga konnte man ebenfalls gar nicht übersehen. Seine vier langmähnigen Haflinger waren eindrucksvoll. Es gehört viel Mut und Können dazu, ein solches Gefährt auf dem weitläufigen Gelände zu bewegen.

Die Working Equitation rückte in diesem Jahr nicht nur medial weiter in den Mittelpunkt als vor zwei Jahren. Da fand am selben Austragungsort die Europameisterschaft statt. Sogar die ehrwürdige SZ hat einen Bericht über Rinderarbeit veröffentlicht.

4 Tage Reitsport vom Allerfeinsten lockte zahlreiche alte Bekannte, aber auch viele neue Besucher aus anderen Reitsportdisziplinen an. Die Zuschauer ließen sich von der Begeisterung der Worker allzu gern anstecken. Selbst wenn man noch nie auf einem Reitturnier war und mit Pferden wenig zu tun hat: Spätestens beim Speed Trial und Cow Trial lassen sich die meisten Zuschauer mitreißen und hier waren die Besten der Besten aus 15 Nationen angetreten. Insgesamt 45 Pferd-Reiter Paare gingen an den Start.
Niederlande, Belgien, Frankreich, Großbritannien Kolumbien, Spanien, Portugal, Schweiz, Italien, Österreich, Georgien, Luxemburg, Dänemark, Schweden und natürlich Deutschland.

Nicht alle mit einem kompletten Team aus vier Reitern plus Reserve.

Alle Wettbewerbe Dressage Trial, Maneability Trial, Speed Trial und Cow Trial wurden bei strahlendem Sonnenschein ausgetragen, das Gewitter wartete bis nach der Siegerehrung. Petrus muss ein Worker sein.
Spannung lag jedoch schon am Feiertag in der Luft.

Vasco Godinho war im März selbst verletzt und alle waren unendlich erleichtert, ihn gesund und munter in der Starterliste zu sehen. Die Familie des Olympiareiters Goncalo Carvalho hatte ihn tätlich angegriffen, im Gesicht verletzt und er musste sogar ins Krankenhaus.
Auf der Reise wurde dann sein Pferd Trigo, ein wunderschöner PSL Palomino, (der schon vor seiner Zeit mit Vasco ein erfolgreiches Sportpferd unter verschiedenen Reitern war), am Bein verletzt. Es wurde gut versorgt, gekühlt und bewegt und pünktlich zum Start ging es dann auch wieder, er bestand den VET check und gewann die Dressur und wurde am zweiten Tag im Maneability Trial Zweiter. Hinter dem Teamkollegen Gilberto Silva, der überzeugend und mit gewohnt lässiger Eleganz auf seinem prachtvollen Zinque das Lezirias durch den Parcour ging. Kleine Fehler, wie das zu frühe Angallopieren nach dem Krug, konnten ihn nicht den Sieg kosten.

Die Favoriten aus Portugal, allen voran Gilberto Silva und Vasco Godinho zeigten alle vier eine ganz hervorragende Leistung. Höchste Lektionen wurden in Perfektion gezeigt und dies einhändig auf Kandare geritten. Allein der Österreicherin Martina Weteschnik auf Bogalho gelang es, sich in der Dressur auf den respektablen Platz 3 zwischen die Portugiesen zu schieben. Sie fiel schon häufiger durch grundsolide Ritte und gute Bewertungen auf. Die deutsche Equipe schaffte es zwar durchweg unter die Top Ten, was als hervorragende Mannschaftsleistung anzusehen ist. Jedoch war dies keine sehr gute Ausgangslage, um eine WM zu gewinnen.
Beste Reiter aus unserem Team: Mirjam Wittmann, die mit Kiro punktgleich mit Thomas Türmer und Orlando auf Platz 6 landete. Thomas Türmer ist der Einzige im deutschen Team, der noch nie eine Deutsche Meisterschaft gewonnen hat, obwohl er bereits in der Vergangenheit sehr oft die beste Dressur gezeigt hat.
Unruhe entstand beim fachkundigen Publikum, als der Spanier José Maria Magallanes Garcia auf Albero del Raigal disqualifiziert wurde, weil er Aufgabe 20 ausgelassen hat. Hätte er nicht abgeklingelt werden müssen um dann mit Punktabzug weiter zu reiten? Jedenfalls kam er am Ende mit 17 Punkten durch die Dressurprüfung.

Im Internet wurden die Ergebnisse von Tag 1 und 2 teils unnötig scharf kritisiert.
In die Beurteilung der Ritte flossen die Meinungen von 5 internationalen und anerkannten Richtern ein, die alle ihr Bestes gaben.
Das höchste und das niedrigste Ergebnis dabei bleibt für die Wertung unberücksichtigt. Die Punkte, die vergeben werden (0 nicht ausgeführt bis 10 hervorragend, wie aus dem FN Dressursport) lassen Gänge, Bewegung und Präsentation einfließen. Daher wird es auf jedem Turnierplatz ein korrekt gerittenes Islandpferd in der Dressur leider immer schwer haben gegen einen ebenso korrekt gerittenen Warmblüter. Das mag einem persönlich in der Working Equitation missfallen, ist auch schade, denn Materialreiterei gibt es schon genug. Bei zunehmend starker Konkurrenz kann man das jedoch nicht unterschätzen.
Der Sport ist erwachsener geworden. Die Ansprüche sind immens angestiegen. Bei immer stärker werdenden Teams aus den Ländern -was ja auch gewollt ist- trennt sich die Spreu vom Weizen.

Das Publikum liebt die Rassevielfalt und es war wirklich viel geboten. Trakehner/Westfalenmix, Oldenburger, P.R.E., Lusitano, Carmargue Pferd, Scandinavian Coldblood Trotter, KWPN, Hispano Araber, Frederiksborger, Freiberger, Goldener Pinto und sogar ein Welsh C.
Das ist einfach wunderbar anzusehen.
Ein Working Equitation Pferd muss vielseitig und nervenstark sein, da es in allen vier Disziplinen gut sein muss, um vorne mitzuspielen.

Was immer bleibt, ist der Respekt der Zuschauer, wenn man ein Pferd, welches vom Exterieur vielleicht etwas weniger an ein Dressurpferd erinnert, gut durch die schwierigsten Aufgaben bringt. Wie zum Beispiel Nicola Hawkins auf Ihrem kleinen braunen Welsh C Corstan Rouge Trader oder das wunderschöne Carmargue Pferd Vaire de laval. Der erst 9-jährige Hengst machte unter dem in Frankreich hoch angesehenen Worker Hervé Maurel trotz kurzer Beine eine gute Figur, war sehr beliebt bei den Zuschauern und zeigte sich nur im Stiltrail kurz etwas guckig. Der lebensecht designte große schwarze Stier sah wohl im Vergleich zu einem echten Kampfstier in Südfrankreich ziemlich merkwürdig aus in den Augen eines Guardianpferdes. Die Hindernisse waren insgesamt äußerst liebevoll gestaltet. Der „Krug“ war, passend zu Bayern, ein Bierkrug mit Breze daneben. Vielleicht wäre es für Frankreich besser gelaufen, wenn man das dann noch gegen Rotwein und Baguette ausgetauscht hätte? Großes Lob an die Veranstalter und Helfer.
Auch Chloé Berthault zeigte einen sehr sauberen Ritt auf Tenorio de Verlin.
Den beiden Erstplatzierten Portugiesen in der Dressur hat am Ende hoffentlich niemand diesen Rang abgesprochen. Der Zeitlupengalopp beim Abstellen der Garrocha oder die perfekte Pirouette im Galopp bei der Wendung hat uns ebenso beeindruckt wie der Sitz und die Ausstrahlung der Pferd Mensch Paare im ganzen Team. In Portugal wird beim Dressage Trial sogar Piaffe und Passage gefordert, die Aufgaben in Dressur und Maneability Trial wurden dementsprechend mit Leichtigkeit absolviert. Das Glück war insgesamt jedoch nicht auf ihrer Seite. Am dritten Tag hatte Trigo einen Einschuss von seiner Verletzung und fiel dadurch aus. Tragisch, denn Vasco Godinho führte die WM in der Einzelwertung zu diesem Zeitpunkt an und mit dem Ausfall fehlte dem portugiesischen Team zudem auch die Möglichkeit eines Streichergebnisses und natürlich auch der vierte Mann für die Rinderarbeit. Für ihn reichte es am Ende immer noch für Platz 35 in der Gesamtwertung. Wir wünschen Trigo gute Besserung.
Nach Tag 2 lag Portugal mit 132 Punkten für Dressur und Stiltrail klar in Führung, während Deutschland 117/121 Punkte errungen hatte. Frankreich lag auf Rang 3. Würde unser Team den Vorteil am 3. Tag ausnutzen können und die Jagd aufholen? Gab es jetzt endlich eine Chance, nach den Sternen zu greifen und Portugal zu schlagen?

Alle waren in gespannter Erwartung und freuten sich auf den Speed Trial, der eines der Highlights des Turniers werden sollte. Viele Zuschauer verteilten sich rund um den Reitplatz und auf den Tribünen. Die Stimmung war bombastisch, jedes Land hatte seine eigenen Fans und Flaggen zum Anfeuern und Jubeln dabei, die in Kürze bei der Fußball WM sicher wieder eingesetzt werden.
Zumindest bei den meisten Ländern.
Italien und die Niederlande haben dafür im Sommer mehr Zeit zum Reiten.
Bei den Workern geht es nicht so steif zu. Jeder Reiter hat seine eigene Musik mitgebracht, um dem Publikum einzuheizen und die Pferde kennen die Musik genau und wissen, dass sie jetzt Gas geben dürfen. Ein Zuschauer fragte den Turniersprecher allen Ernstes, ob er der Einzige sei, der es hier zu laut finden würde.
Die Antwort lautete: JA.
Diesmal war Arnaud Petit nicht die Stimme von Pferd International. Er ritt auf dem an ein Ritterpferd erinnernden Lusitano Danone san Lourenco für Luxemburg als Einzelreiter mit Der sympathische Arnaud zeigte, dass Funktionäre auch selbst gute Reiter sein können und nicht nur von der Theorie etwas verstehen.

Den „schnellsten“ Ritt des Tages zeigte die erste Reiterin aus den Niederlanden, die leider schon nach 16 Sekunden fertig war, weil das Pferd Nerven zeigte und bereits das erste Hindernis (die Brücke) nicht passieren wollte. Die Reiterin gab dem Pferd zuliebe auf.

Schon bald ging es zur Sache und es wurde dem Publikum viel geboten. Der Kolumbianer Sergio Castrillon Garcia schob sich mit dem Lusitano Diniz und einem rasanten Ritt auf Platz 1. Die südamerikanischen Gäste waren ohne Pferde angereist, hatten sich die Lusitanos in Portugal ausgeliehen und nur eine Woche mit ihnen trainiert, bevor sie zur WM fuhren. Sergio Castrillon Garcia war mit Diniz geradezu verwachsen. Es wird ihm sehr schwer fallen, sich von dem wunderbaren Schimmel zu trennen, der bei uns in Deutschland bleiben wird auf El Rocio am schönen Chiemsee und wir gratulieren Herman Willemsen zum Kauf dieses Pferdes.
Das sympathische und elegante kolumbianische Team wurde vom Publikum herzlich angefeuert und mit großem Respekt dafür belohnt, die weite Reise auf sich genommen zu haben. Fantastisch, mit Leihpferden derart gute Leistungen zu zeigen. Auch die Teamkollegin Andrea Vargas auf Vidrie machte eine ausgezeichnete Figur. Leider schied der dritte Kolumbianer Duvaner Monsalve mir Zig-Zag im Speed Trial aus, weil es am Tor nicht mehr erlaubt ist, beim Durchreiten das Seil über den Kopf zu werfen. Bis es im Reglement klar festgelegt wurde, haben sich einige Reiter dieser lässigen Technik bedient, um Zeit einzusparen. Im Speed Trial kommt es schließlich auf jede Sekunde an.

Dass beim Speed Trial nicht immer die spektakulärsten Ritte die Schnellsten sind, sah man zum Beispiel an Danielle Fiene auf Pura Nobleza´s Divina. Das sah sehr viel schneller aus als der Ritt von Virginie Dubus auf Estrela. Die einzige belgische Starterin war korrekt und im Fluss unterwegs mit ihrem im Sonnenlicht golden schimmernden Pferd und damit ganz gemütlich 5 Sekunden schneller als die schneidige Niederländerin, die mit Vollgas durch den Parcour ging.

Weniger gut lief es für Martina Weteschik, die beim Hütchen umsetzen und Rückwärtsrichten 3 Stangen umwarf und absteigen musste. Ihr Pferd stand dabei, trotz viel Adrenalin vom bisherigen Parcours, ganz seelenruhig neben dem Hindernis, bis Martina aufgeräumt hatte und wieder aufstieg. Joao Bento Gonçalves mit dem imposanten Schimmel Damasco war nicht nur bildschön anzusehen, sondern auch schnell. Aber nicht schnell genug, um zu siegen. Joao Bento patzte an den Traversstangen, es wurde diskutiert, ob er das Hindernis absolviert hat oder nicht und er hatte auch mehr Glück als Verstand beim Abstellen der Garrocha, die bedenklich hoch aus der Tonne hüpfte, aber drin blieb. Am Ende konnte er noch 15 Punkte im Speed verbuchen.

Mitja Hinzpeter und sein 19-jähriger Goldener Pinto Hengst Macchiato sind alte Hasen, gute Freunde, fast wie Brüder. Wer Mitja kennt, der weiß, dass ihn so leicht nichts aus der Ruhe bringt. Bei der WM 2014 in Österreich war er es, der für die deutsche Equipe der Fels in der Brandung war, als er in zwei Disziplinen als letzter Reiter antreten musste und perfekt ablieferte, als das Streichergebnis vor ihm schon fest stand. Er ist schnell und auf Macchiato ist Verlaß. Der Hengst sah noch viel besser aus als früher, als er in der Decksaison teilweise etwas abgenommen hatte. Es war auch nicht Macchiatos Schuld, als die beiden sich in Bestzeit am letzten Hindernis verritten. Mitja kam in der Hitze des Gefechts falsch in den Slalom. Ausgerechnet der schnelle Macchiato. Uns blieb das Herz stehen. Mitja merkte es, korrigierte, der Zeitverlust reichte aber nur für 26 Punkte und Platz 20 im Speed Trial. Niemand macht sich darüber mehr Vorwürfe als er selbst. Es blieb also spannend in diesem Krimi um die Weltmeisterschaft.
Mirjam Wittmann war mit Kiro 2016 Deutsche Meisterin, ihre Stärke ist aber Dressur und Dressur Trail, sie ist nicht die Schnellste. Sie gab ihr Bestes und es reichte auf Platz 14 für 32 Punkte auf dem WM Konto.
Gernot Weber auf Signum´s Aramis konnte auf Platz 5 noch mal 41 Punkte dazu addieren. Wer sagt eigentlich, daß Warmblüter nicht schnell und wendig sind? Unser bester Reiter war wieder Thomas Türmer mit seinem fabelhaften Orlando. Er führte im Speed Trial mit 122,36 Sekunden. Dann wurde der Ritt von Gilberto Silva nervös von uns erwartet.
Er konnte nach dem Patzer von Joao Bento das Ruder wieder herum reißen und dieser Mann war wirklich nicht angetreten, um ohne Gold nach Hause zu fahren.
Was wir dann erlebten, ließ uns allen den Atem komplett anhalten. Zinque das Lezirias. Dieses fantastische Pferd wusste ganz genau, worum es geht. Er war zu 100% bei seinem Reiter, reagierte blitzschnell und akrobatisch auf dessen Hilfen und erledigte den Rest mit viel Herz und unbedingtem Willen von allein. Es lohnt sich, diesen Ritt im Internet anzusehen. Der „Unschlagbare“ machte seinem Namen wieder alle Ehre und fegte in nur 107,64 Sekunden fehlerfrei über den Parcour, für den andere Reiter fast 200 Sekunden gebraucht haben. Unglaubliche 14 Sekunden schneller als der zweitplatzierte Thomas Türmer, der 44 Punkte erringen konnte. Das vorwiegend deutsche Publikum war sehr sportlich fair und honorierte diesen unvergesslichen Ritt mit minutenlangem tosenden Applaus und Jubel. Er war hier der Beste Reiter und das wurde auch gewürdigt. Dieser große Showman und sein tapferes Pferd.

Am letzten Tag ging Deutschland mit nur noch 12 Punkten Abstand hinter Portugal in die Rinderprüfung. Alles konnte nun passieren. Noch nie war Deutschland so nah am Sieg. Würden die fantastischen vier die Nerven behalten? Würden die Rinder mitspielen? Diese wirkten beim Setteln, das die Tiere eigentlich zur Ruhe bringen soll, sehr spritzig und unberechenbar. Sie kamen den Helfern mehrmals aus und blieben nicht an der kurzen Seite, sondern gallopierten kreuz und quer über die ganze Bahn.
Roland Heiss, der 2016 auf Zidane Deutscher Meister in der Rinderarbeit war trieb die Tiere zu Fuß -allein mit seiner Präsenz- wieder zurück zur Herde.

Man kann darüber nachdenken, ob der Cow Trial zukünftig wirklich zu vollen 25% in das Ergebnis einfließen muss, denn es ist, wie wir sehen konnten, neben dem Können auch immer Glück dabei. Nun sollte die Rinderarbeit über den Sieg in der WM 2018 entscheiden.

Das große Finale wurde spannend. Auch am Himmel, denn es zog ein Gewitter auf. Thomas Türmer kam als Erster an die Reihe. Bei keiner anderen Disziplin zeigt sich so genau, ob ein Team funktioniert oder nicht. Unsere Deutsche Mannschaft ist wahrhaftig als das beste Team der WM zu bezeichnen und bei der EM konnten sie die Portugiesen schon einmal schlagen.
Thomas Zeit war gut, aber nicht unschlagbar. Im Speed Trial hatten die Portugiesen gezeigt, wie schnell sie sein können.
Auch in dieser Prüfung etwas vom Pech verfolgt, bekamen die Portugiesen die Rinder mit dem scheinbar höchsten IQ zugelost, jedenfalls waren sie sehr schwierig zu separieren. Auch die Teamarbeit wirkte nicht so gut wie bei Deuschland und Kolumbien.
Gernot Weber hatte nach der Pause sein Rind super schnell separiert und kam in hoher Geschwindigkeit über die Grundlinie, perfekt flankiert von seinem eingespielten Team, es roch nach Bestzeit, es sah nach dem Sieg aus, doch dann machte das Rind buchstäblich auf der Ziellinie auf dem Absatz kehrt und die Zeit von Gernot reichte nicht für die endgültige Entscheidung. Aber das Rind wurde schließlich erfolgreich in den Pferch getrieben.

Den Klassenunterschied bei der Rinderarbeit sah man deutlich. Das wirkte bei manchen Teams wie der Vergleich eines Tankers mit einem Schnellboot. Manche Teams wie Schweiz und auch Frankreich brachten viel Unruhe in die Herde. Die Schweden standen nur in der Bahn, ganz ohne die Rinder zu treiben, um für ihre Teilnahme mit 0 Punkten gewertet zu werden. Ohne die merkwürdige Pause hätte es gar nicht gezählt für die Gesamtwertung. Der Grund für das Ausharren vor den Richtern war nicht, dass es in Schweden überhaupt keine Rinder zum Üben geben würde. Es ist eher ein Politikum, es wird vom dortigen Landesverband nicht gern gesehen, wenn schwedische Reiter an Rinderprüfungen teilnehmen.

Nach Mitjas Ritt stand bereits fest, dass Deutschland Weltmeister ist und kurz darauf wurde die Prüfung den Rindern zuliebe vorzeitig beendet, da sie nichts mehr am Ausgang der WM geändert hätte.

DIE SENSATION IST PERFEKT. WIR KÖNNEN ES KAUM GLAUBEN, SAGEN DANKE, GRATULIEREN UND FREUEN UNS UNENDLICH. DIE DEUTSCHE MANNSCHAFT IST WORKING EQUITATION WELTMEISTER 2018 UND WELTMEISTER IN DER RINDERARBEIT. THOMAS TÜRMER IST VIZEWELTMEISTER IN DER EINZELWERTUNG DER WORKING EQUITATION WELTMEISTERSCHAFT 2018.

Viel wichtiger als jedes Ergebnis: Bei der Working Equitation wird der Tierschutz streng beachtet. Die Tiere und die Fairness ihnen gegenüber stehen absolut im Vordergrund. Die Gesundheit der Pferde wird laufend überprüft, es gibt Bluttests und Dopingkontrollen. Wird zu eng oder zu hart geritten, gibt das bei jeder Teilaufgabe Abzüge, das Reglement erlaubt auch keinen unangemessenen Umgang mit den Rindern in der Rinderarbeit. Die Richterin Nicola Danner hat den Reitern dazu vor dem letzten Turniertag eine sehr schöne und auch mahnende Ansprache gehalten, damit die Reiter im Eifer des Gefechts nicht zu hart mit den jungen Kühen umgehen. Nur so lässt sich die spannende Rinderarbeit auch zukünftig in der Working Equitation bewahren. Das wünschen wir uns. Für die Rinderarbeit auf einem Turnier muss jedes Reiter-Pferd-Paar seinen Rinderschein zur Zulassung an der Prüfung vorlegen.

Wer nicht dabei war bei der WM auf der Pferd International, der hat etwas verpasst.

Text: Petra Emmerich

Fotos: Martina Schulz

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